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Capoeira? Was ist das?

Heutzutage findet man in Büchern und im Internet unzählige Antworten dazu. Die häufigste Erklärung die man dazu liest ist in etwa: „Capoeira ist eine Mischung aus Kampf und Tanz mit Musik.“ So auf die Schnelle lässt sich das sicher nicht besser beschreiben. Aber dem was Capoeira wirklich ist wird diese Definition nur sehr wenig gerecht.

 

Bei Kampfkunst denken die meisten an effektive Techniken zur Selbstverteidigung auf der Straße oder an etwas womit man sich in Wettkämpfen buchstäblich um Punkte und Pokale „prügelt“. Der Begriff Tanz ist bei den meisten noch durch die Tanzschule in der Jugendzeit geprägt und weckt die Vorstellung von festgelegten Schritten und Choreographien. Ein paar Gemeinsamkeiten gibt es durchaus. Die Capoeira-Bewegungen werden, sowie auch bei Zweikampf und beim Paar-Tanz paarweise vollführt. Die Bewegungen sind denen anderer Kampfsportarten sehr ähnlich. Im Laufe seiner Entwicklung diente Capoeira nicht selten tatsächlich zur Selbstverteidigung.

 

Wie sich Capoeira da im Vergleich zu anderen Kampfkünsten schlägt, sei hier erst mal dahingestellt. Aber mit den Fähigkeiten, wie Reaktion, Kondition, Kraft, Beweglichkeit, die das Üben von Capoeira hervorbringt, ist man für Ernstfälle deutlich besser gewappnet als ohne jegliche Kampfkunst-Erfahrung. Allerdings werden beim Capoeira traditionell keine Punkte verteilt und keine Sieger festgestellt, auch ist es hier nicht Ziel den „Konflikt“ so schnell wie möglich durch unschädlich machen des Anderen zu beenden.

 

So wie bei jedem Tanz ist auch im Capoeira die Musik nicht wegzudenken. Im Capoeira gibt es aber weder Choreographien noch feste Rollenverteilungen. Hier kann Frau auf Mann, Frau auf Frau und Mann auf Mann treffen. Jeder ist in gewissem Sinn gleich. Jeder kann jederzeit versuchen die Führung zu übernehmen muss aber jederzeit auf alles gefasst sein und reagieren können.

 

Capoeiristas sprechen daher weder vom Kämpfen noch von Tanzen sondern vom Spielen, in wörtlicher Übersetzung des brasilianischen Begriffs „jogar“.

 

Man versucht dabei ständig sich gegenseitig zu einer Reaktion herauszufordern. Gern wird hierfür auch die Metapher von einem non- verbalen Zwiegespräch gebraucht. Auf eine Frage folgt immer eine Antwort. Doch wäre eine Frage überflüssig, wenn die Antwort schon vorher eindeutig feststünde. Der Mitspieler hat auf jede Frage bzw. Bewegung immer viele mögliche Bewegungen mit denen er antworten kann. Das wird nur durch sein Können und sein Kreativität begrenzt. Die Bewegungsmöglichkeiten reichen von sehr einfachen Bewegungen bis hin zu spektakulärer Akrobatik. Einer Antwort kann man eine neue Frage fließend folgen lassen.

 

Die Interaktion besteht jedoch nicht nur zwischen den beiden Spielern sondern auch die mit den Menschen, die im Kreis um diese beiden Herumstehen und die Musik erzeugen, in deren Rhythmus sich die Spieler bewegen. Dieser Kreis wird „Roda“ genannt, was wörtlich übersetzt Rad bedeutet und die welt symbolisieren soll. Einige in dieser Roda haben Instrumente andere Klatschen nur in die Hände. Einer Singt eine Strophe vor worauf alle anderem ihm mit dem Refrain antworten.

 

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